Tim Fröhlich: Deutscher Riesling Meister

Bockenau im Weinbaugebiet Nahe hat 1250 Einwohner, 30 Fremdenbetten, 15 Vereine- und den Deutschen Riesling-Meister. Tim Fröhlich erzielte beim 11. Riesling-Erzeugerpreis die höchste Durchschnittsnot der rund 500 teilnehmenden Betriebe.

Schon mehrfach war der 35-jährige nah dran gewesen: 2005 war er Zweitplatzierter,2007 landete er auf dem sechsten Rang. Und diesmal gab es nach der Siegernachricht „erst mal Grund, mit der Familie ein paar gute Flaschen zu köpfen“. Fünf Weingüter gibt es in dem malerisch gelegenen Ort westlich von Bad Kreuznach nahe der Bundesstrasse 41. Aber erst das Weingut Schäfer-Fröhlich brachte Bockenau auf die Weinlandkarte. Der schlanke,sportliche Winzer legt Wert darauf, dass es sich bei seinen Erfolgen (2005 war er im „Gault Milau“ „ Aufsteiger der Jahres“ und kann sich seitdem über vier von fünf möglichen Trauben freuen) um Teamwork handelt. Zwar hat er das letzte Wort im Keller. Aber im Weinberg ist Vater Hans der Chef. „ Wir arbeiten wunderbar zusammen, da passt alles“, freut sich Tim.

Keine aerodynamischen Weine

Zwei Frauen im Haus sind vor allem wichtig für die Sensorik; Mutter Karin, geborene Schäfer, die früher für den Ausbau verantwortlich war und Anfang der 80er Jahre als erste Frau bei der Bundesweinprämierung verkosten durfte, hat eine besonders sensible Zunge und Nase. „Sie kümmert sich heute vorwiegend um den Verkauf, redet aber auch häufig im Keller mit und zwingt mich oft zu Blindenproben, um mich fortzubilden“, lacht der fröhliche Bockenauer. Und dann gibt es noch Schwester Meike, der er ebenfalls „eine sehr gute Weinwahrnehmung“ attestiert.

„Ich mache keine aerodynamischen Weine“, beschreibt er selbst die Ergebnisse penibler Arbeit. „Wichtig ist mir auch die Haltbarkeit. Jung ist mein Riesling oft ziemlich wild. „Deshalb stellte er für den Wettbewerb auch drei Weine aus dem schon etwas reiferen Jahrgang 2007 an. „Diese Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen, weil der 2008er wohl der bessere Jahrgang ist und junge Weine bei solchen Verkostungen häufig besser bewertet werden.“ Doch die vermeintlich risikoreiche Wahl des älteren Jahrgangs wurde belohnt.

Vom Fussballfeld in den Weinberg

Kaum vorstellbar, dass dieser begeisterte Winzer fast in einem anderen, lukrativeren Beruf gelandet wäre. Als junger Bursche galt er als echtes Talent im Fussball und träumte von einer Profilaufbahn. Mit 18 Jahren erlitt er eine schwere Sportverletzung, die seine Karriere auf dem grünen Rasen abrupt beendete. „Danach war klar, dass ich in den elterlichen Betrieb einsteige“, erinnert er sich. Das tat er nach dem Besuch der Weinbauschule im Jahr1995, im Alter von 21 Jahren. Aber wer weiss, wenn es statt der Schienbeinfraktur ein Angebot aus der Bundesliga gegeben hätte...? „Ich trauere dem Sport nicht nach“, erklärt er heute. „Man muss es realistisch sehen. Aus unserer damaligen Supertruppe hat es ein Einziger ins Profilager geschafft“. Dafür spielt Tim Fröhlich inzwischen in der deutschen Winzerliga im Spitzenfeld mit.

Zurück zur Übersicht